
KI in der Konstruktion:
Lastenheft analysieren
=> Ein Kunde schickt Ihnen ein 80-seitiges Lastenheft. Für Ihre Baugruppe sind davon vielleicht nur 10 Seiten wirklich relevant. Das Problem: Welche Seiten sind das? Hier kann KI in der Konstruktion sehr sinnvoll unterstützen.
Nehmen wir als Beispiel eine Spannvorrichtung innerhalb einer größeren Sondermaschine. Im Lastenheft stehen Anforderungen zu: Abmessungen und Bauraum, Spannkräften, Taktzeiten, Medienversorgung, Schnittstellen zur Gesamtmaschine, Sicherheitsanforderungen, Umgebungsbedingungen, Wartung und Dokumentation.
Diese Angaben sind meist nicht sauber an einer Stelle zusammengefasst. Sie verteilen sich über verschiedene Kapitel, Tabellen und Anhänge. Statt das Lastenheft nur manuell durchzuarbeiten, kann der Konstrukteur das Dokument einer KI zur Analyse geben. Ein möglicher Prompt wäre:
„Analysiere das beigefügte Lastenheft aus Sicht des Konstrukteurs der Baugruppe Spannvorrichtung. Erstelle eine Tabelle mit:
Anforderung;
Fundstelle im Lastenheft;
Kategorie;
möglicher Auswirkung auf die Konstruktion;
offenen oder unklaren Punkten;
Berücksichtige nur Anforderungen, die für die Spannvorrichtung direkt oder indirekt relevant sein können. Erfinde keine fehlenden Angaben.“
Das Ergebnis ist keine fertige Konstruktion, aber es kann beispielsweise sichtbar machen:
- Eine geforderte Taktzeit beeinflusst den benötigten Antrieb.
- Eine Reinigungsanforderung hat Auswirkungen auf Werkstoffe und Abdichtung.
- Eine vorgegebene Schnittstelle begrenzt den verfügbaren Bauraum.
- Oder: Für die geforderte Spannkraft fehlt im Lastenheft eine Angabe zur zulässigen Bauteilverformung.
Besonders interessant wird die KI deshalb nicht nur beim Finden vorhandener Anforderungen, sondern auch beim Erkennen von Lücken und Widersprüchen. Aus diesen Punkten lässt sich anschließend direkt eine Liste technischer Rückfragen für den Kunden erstellen.
Wichtig bleibt allerdings: Die KI versteht weder die Maschine noch die technische Bedeutung einer Anforderung so zuverlässig wie der verantwortliche Konstrukteur. Sie kann Anforderungen übersehen oder falsch zuordnen. Deshalb ist das Ergebnis keine Freigabe und kein Ersatz für die eigene Prüfung. Aber als erste strukturierte Durchsicht eines umfangreichen Lastenhefts kann KI sehr nützlich sein.
